Diesel-Hybrid-Konzept: Der weltweit aktive Motorenbauer Cummins und die Unternehmenstochter Accelera verfügen über die Antriebstechnologien für die Darstellung hybrider Antriebsstränge in unterschiedlichen Anordnungen. Bilder: Cummins
Brückentechnologie

Cummins setzt auch auf Hybrid-Antriebe

Hersteller schwerer Nutzfahrzeuge müssen ihre CO2-Genzwerte in Zukunft drastisch senken. Ab 2030 soll eine Reduktion um 45, ab 2035 um 65 und ab 2040 sogar 90 Prozent CO2 über die Flotte erfolgen. Vergleichsbasis ist laut EU-Kommission das Jahr 2019. Jedes neu typgenehmigte und später verkaufte Fahrzeug, welches zur CO2-Reduzierung beiträgt, zahlt auf die Gesamtbilanz ein. Zudem soll für Lkw ab November 2028 die Abgasnorm Euro-7 gelten. Dies zieht hohe technische Anforderungen nach sich, man denke nur an die Abgasnachbehandlung. Letztendlich bedeutet all dies, dass die Lkw-Hersteller vor großen Herausforderungen stehen, um die Emmisions-Ziele zu erreichen. Das wird nur funktionieren, wenn der flächendeckende Roll-Out von Lkw mit alternativen Antrieben gelingt. Dabei spielen auch Brückentechnologien eine Rolle.

Technische Optionen

Wirft man einen Blick auf die technischen Optionen, so verfügt die (Fahrzeug-)Industrie über hochmoderne und effektive Verbrenner, über alternative Kraftstoffe, über Wasserstoff-Verbrenner (H2-ICE) oder Lkw, die mit (Bio-)LNG oder CNG betrieben werden. Hinzu kommen batterieelektrische Lkw (BEV) und Lkw mit Brennstoffzelle (FCEV). Auch E-Lkw mit H2-Verbrennungsmotor als Reichweitenverlängerer (Range-Extender) werden getestet. Die Lkw-Hersteller sind allesamt längst aufgestellt. Doch sind auch Lkw mit Hybridantrieb im Schwerlastbereich eine Option? Durchaus.

Warum ein Hybrid?

„Wir sehen in der Hybridtechnologie eine echte Chance bei der Dekarbonisierung des Lkw-Verkehrs. Wir glauben, dass nicht eine singuläre Antriebslösung zielführend ist. Deshalb setzen wir auf einen breiten, technologischen Ansatz“, so William Lamb.

Die mangelhafte Infrastruktur, die Anschaffungskosten und das Reichweitenmanagement stellen für viele alternative Schwerlast-Anwendungen eine Herausforderung dar. Während sich Wasserstoff-Brennstoffzellen- und vollelektrische Antriebsstranglösungen schnell weiterentwickeln, hinken Infrastrukturausbau und Investitionsanreize hinterher. Im Vergleich dazu zeigen die Zahlen des KBA, dass Hybrid-Fahrzeuge auf dem Pkw-Markt in Deutschland 33,8 Prozent der Neuzulassungen ausmachen. In machen europäischen Ländern ist der Anteil größer. Angesichts der höheren Arbeitszyklen und der Laufleistung, die von schweren Lkw verlangt werden, könnte die Option, moderne Motortechnologie mit Batterien zu kombinieren, eine interessante Alternative sein – trotz zusätzlicher Technik, mehr Gewicht und Zusatzkosten. „Neue Euro-7-zertifizierte Verbrennungsmotoren bieten zahlreiche Vorteile, da die verbesserte Kraftstoffeffizienz und die Kompatibilität mit HVO und Biodiesel zu geringeren Emissionen führen. Hinzu kommt die Möglichkeit, über batterieelektrische Technologien die Fahrzeuge emissionsfrei zu fahren“, so William Lamb, Director Produkt-Strategy and Engine Business, beim US-amerikanischen Motorenbauer Cummins. Hybrid-Technologie also als Brücke zur Reduzierung der CO2-Emissionen?!

Mit Hybridfahrzeugen die Emissionen senken

Lkw mit Hybridantrieb bieten laut Lamb zahlreiche praktische Vorteile für den Nutzfahrzeugalltag. So könnten Plug-in-Hybride die Kraftstoffeffizienz um bis zu 30 Prozent verbessern und neben der betrieblichen Flexibilität auch die Kohlenstoffemissionen reduzieren. Quasi eine Möglichkeit für OEMs eine praktikable Lösung anzubieten, um die CO2-Vorschriften mit einer Technologie zu erfüllen, die es ihren Flottenkunden ermöglicht, ihre Arbeit zu erledigen, während sich die Ladeinfrastruktur noch in der Entwicklung befindet.

Die Hybridtechnik kann auch dazu beitragen, die Nachfrage nach einem schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur anzukurbeln.

Was die Leistung betrifft, so liefern Hybridantriebe ein verbessertes Drehmoment und eine höhere Beschleunigung, was bei schweren Lkw von Vorteil sei, so Lamb. Darüber hinaus biete auch das regenerative Bremsen um zusätzlich Strom zu gewinnen, erhebliche Vorteile. Die zurückgewonnene Energie wird zur Ergänzung der Motorleistung verwendet. Start-Stopp-Funktionen seien Lamb zufolge ebenfalls nützlich, insbesondere bei innerstädtische Arbeitszyklen.

Letztendlich stellt sich die Frage, was ein Hybrid-Fahrzeug in der Anschaffung kostet, ob die Technologie gefördert wird und wie hoch am Ende des Tages die TCO ausfallen. Die Technik ist da und auf jeden Fall interessant, womöglich auch in Verbindung mit einem E-Trailer.

Den Beitrag finden Sie auch in der Print-Ausgabe 1-2025 der Krafthand-Truck.