
Ungeliebt und trotzdem effektiv
Für unser Jahresauftaktheft haben wir dazu recherchiert und im Beitrag „Wie (un-)genau Partikelzähler tatsächlich messen“ beschrieben, wie genau AU-Partikelmesser den Ruß im Abgas tatsächlich erfassen. Auslöser war eine äußerst ausführliche und interessante Zuschrift eines Krafthand-Lesers, die auf den ersten Blick das Zeug dazu hatte, die Partikelmessung in Frage zu stellen. Vereinfacht ausgedrückt erklärt er, dass ein Euro-6-Diesel an einem einwandfrei kalibrierten Partikelmesser bei der AU durchfällt, an einem anderen wiederum nicht. Der Grund dafür sind hohe Toleranzen bei der Kalibrierung der Geräte.
Bereits vor Jahren erzählte mir bei der Recherche zur damals noch nicht in Kraft getretenen Partikelmessung ein Experte von diesen auffälligen Toleranzen. Da zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht sicher war, ob dies auch so kommen würde, haben wir das Thema damals nicht weiterverfolgt. Umso mehr möchte ich unserem Leser für den geschilderten Fall danken. Denn anhand seines Praxisbeispiels lässt sich die Problematik besser und greifbarer erläutern als in einem abstrakten Gedankenspiel. Unter erwähnten Artikel ich auch nochmals, warum ich die – nicht von jeder Werkstatt geliebte – Partikelmessung trotz allem als richtig und wichtig erachte.
Das bestätigt nicht zuletzt der kurz vor dem vorweihnachtlichen Redaktionsschluss von Ford gestartete Rückruf. Die Kölner müssen zigtausende Fahrzeuge verschiedener Modelle mit Euro-6-Dieselmotor zurückrufen, weil sie durch „neueste Messmethoden“ (gemeint ist die seit Sommer 2023 eingeführte Partikelmessung) auffällig geworden sind. Der Hintergrund: Neben einer verbesserungswürdigen Software können die DPF auch Risse aufweisen, sodass der Partikelausstoß deutlich zu hoch ist. Das sind eindeutige Mängel, die mit der alten Trübungsmessung nicht erkannt worden wären, mit der Partikelmessung hingegen schon. Insofern steht deren Wirksamkeit nicht in Frage – hohe Toleranzen beim Kalibrieren hin oder her.
