Old- & Youngtimer

Der Volvo P1800 – beeindruckender Performer

Ein Sportcoupé, das mehr als drei Millionen Meilen läuft: Der Volvo P1800 besticht mit schönem Design, langlebigem Motor und damals neuartigem Sicherheitssystem.

Zu Beginn trug der P1800 Kuhhornbögen statt einem geraden Stoßfänger. Bilder: Volvo

Zugegebenermaßen ist „sportliches und schönes Design“ nicht unbedingt das, was einem bei einem Volvo älteren Baujahrs als Erstes einfällt. Denn meist denken wir an die kantigen Modelle 240, 850 oder 960. Doch lange davor boten die Schweden ein Sportcoupé an, das auf der Brüsseler Autoshow 1960 zum Publikumsliebling avancierte: der Volvo P1800. Er wurde bereits 1957 in Italien von einem schwedischen Nachwuchsdesigner entworfen. Und der italienische Einfluss machte sich an dem Modell deutlich bemerkbar, denn das Erscheinungsbild des Coupés war geprägt von Eleganz – allerdings zu Beginn noch nicht von Qualität.

Das schwedische Fahrzeug wurde 1961 zunächst in einer englischen Manufaktur gefertigt. Hier waren die Ergebnisse aber so unbefriedigend, dass die ersten 250 Wagen noch vor Auslieferung direkt nach Göteborg zur Nachbesserung in die Werkshallen mussten. 1963 hat Volvo deshalb die Produktion ins schwedische Werk Lundby verlegt.

Langläufer und Weltrekordler

Motortechnisch gab es keine große Auswahl. Einzig der 1.8-Liter-Benziner als Vierzylinder, der bereits im Volvo Amazon P120 verbaut war, zierte die Motorräume der Sportler. Ursprünglich verfügte er über 90 PS (66 kW), 1963 stieg die Leistung im P1800 auf 96 PS. Im Sprint schaffte er es damit von 0 auf 100 km/h in 12,1 Sekunden. Zeitgleich nannte sich das Modell nun Volvo 1800 S, S steht für Sverige, also Schweden.

Den Antrieb rühmte aber nicht nur seine Leistung, sondern auch seine Langlebigkeit. Ein 1966 von einem US-Amerikaner erworbener 1800 S landete im Guinnessbuch der Weltrekorde, weil er einfach nicht kaputtging: 2013 erreichte der Wagen mit seinem Erstbesitzer die Drei-Millionen-Meilen-Marke – umgerechnet mehr als 4,8 Millionen Kilometer.

Vorreiter in puncto Sicherheit

Außer einem hervorragenden Motor hatte das 2+2-sitzige Modell nach Aussage des Herstellers als weltweit erstes Sportcoupé serienmäßig Sicherheitsgurte für alle vier Passagiere – typische Volvo eben. Man stellte die Stabilität das Rückhaltesystems 1961 im Hamburger Hafen unter Beweis: Ein P1800 wurde an einen Kran über der Hafenanlage gehängt – nur gesichert durch die Dreipunkt-Sicherheitsgurte. Nichts anderes würde man erwarten von der Marke, die den ersten serienmäßigen Dreipunktgurt überhaupt und damit das Patent des Volvo-Ingenieurs Nils Ivar Bohlin 1958 in einen Volvo 544 packte.

Optisch gab es beim P1800 immer wieder kleinere Modellpflegen wie das 1964 geglättete Stoßstangendesign, die anfänglichen Kuhhornbögen oder den mehrfach geänderten Kühlergrill. Echte Unterschiede waren dann erst 1971 zu sehen, als Volvo den 1800 ES präsentierte. Besser bekannt ist er unter dem Namen Schneewittchensarg, den er seiner großen gläsernen Heckklappe zu verdanken hat. Die Ära des fahrenden Sargs endete 1973, ein Jahr nachdem das letzte Sportcoupé vom Band rollte. Insgesamt wurden 47.855 Stück der 1800er Modelle gefertigt. Leichter zu bekommen ist heutzutage der ES, doch auch Liebhaber des 1800 S finden ihr Traumfahrzeug. Allerdings kaum unter 30.000 Euro.

Schreiben Sie den ersten Kommentar

Kommentieren Sie als Gast oder melden Sie sich mit Ihrem Krafthand Medien Benutzerkonto an.
Erforderliche Felder sind mit * markiert